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Der Traum vom Fahren (Teil 2 von ?)

In der Zeit zwischen meinem 15. und 18. Geburtstag, durften mir einige Zweiräder einen mal mehr, mal weniger sanften Sitz gewähren. Dabei waren wunderbare Stücke! Zum Beispiel eine Solo 726, super gemütlich und auch sehr schön anzusehen, allerdings war jede Schrauberei daran ein Wutausbruch-Garant. Das absolute Juwel aber war eine Sachs-Prior. Ein Freund meines Vaters hatte ihm diese geschenkt, wobei er sie nie fuhr. Dass das kein würdiges Dasein für solch eine Schönheit war, hatte ich schnell erkannt. Schon bald nutzte ich jede Minute, die meine Eltern nicht zuhause waren, ihr den gebührenden Auslauf zu geben. Dass ich damals noch nicht mal Mofa, geschweige denn ein Moped fahren durfte kümmerte mich wenig. Es war einfach ein herrliches Gefühl, mit der Zweigang-Halbautomatik mit fünfzig Sachen über die Feldwege zu peitschen. Natürlich war meine Mutter nicht so dumm, wie ich es in dem Bezug vielleicht gerne gehabt hätte. So war unsere Liebe zwar eine innige, aber wie das so oft ist auch eine kurze. Inklusive schmerzhafter Trennung! An dieser Stelle sei bemerkt, dass unser Vater Schrotthändler war und so an viele Raritäten und Kuriositäten kam. Ich erinnere mich noch an ein Aluminium-Fahrrad, mit Kofferraum der Eichbaum Brauerei, welches den Schriftzug „Umweltfreundlicher Biertransporter“ trug. In den „Kofferraum“ passten sogar zwei – drei große Flaschen Bier. Aber die unmotorisierten Fortbewegungsmittel sollen hier nicht das Thema sein.

Wie bereits erwähnt sammelte sich bei uns, berufsbedingt durch unseren Papa, einiges an interessanten Sachen an. Leider fehlte mir das Knowhow all die schönen Mopeds und Mofas herzurichten. Neben dem fehlenden Knowhow muss man fairerweise auch den fehlenden finanziellen Spielraum erwähnen. Als Schüler ohne Nebeneinkommen war es für mich also unrealistisch, den ganzen anderen (verblassten) Schönheiten wieder neues Leben einzuhauchen. So sind einige Mofas / Mopeds der Fabrikate Kreidler, Rixe, Sachs, Solo, etc. bis heute un-restauriert…

Wie meine Gefährte, wurde auch ich irgendwann älter und der Drang, den Bewegungsradius zu erweitern, wurde stärker. Wer auf dem Dorf aufwächst hat keine andere Wahl als den PKW-Führerschein zu machen. Was soll man auch in einem zwölfhundert Seelen Ort auf Dauer auch schon treiben?

Also bei der Fahrschule angemeldet und die Theorie abgerissen. Ganz scharf darauf, endlich einmal in einem richtigen Auto hinterm Steuer sitzen zu dürfen. Mein Fahrschulauto war ein VW Golf VI mit allem möglichen Schnickschnack wie ABS, ESP, PDC vorne und hinten und sogar einer automatischen Einparkfunktion. Das war damals ganz neu. Man musste nur, bevor man an einer (Parallel-) Parklücke vorbeifuhr auf einen Knopf drücken, dann fuhr man langsam weiter. Das Auto maß die Parklücke aus und man musste, zum rückwärts – Paralleleinparken nur Gas, Kupplung und Bremse betätigen.

Vollkommen erstaunt über den Fortschritt der Technik fragte ich meinen Fahrlehrer, wieso wir das überhaupt durchnahmen, da es im Prüfungsfall sicherlich nicht benutzt werden dürfe. Seine Antwort: „Alles, was an technischen Hilfsmitteln in dem Fahrzeug verbaut ist, darf auch während der Prüfung genutzt werden.“ Das hatte mich schon entsetzt. Er erwähnte dazu noch, dass die Prüfer dann bewusst Aufgaben stellten, bei denen die Assistenzsysteme den Fahrschülern nicht helfen können. Trotzdem fand ich erstaunlich, wie weit die Technik schon war und wie obsolet in Zukunft gewisse Teile der Fahrausbildung werden würden.

Top ausgebildet auf einem Top modernen Automobil, bestand ich die Fahrprüfung beim ersten Anlauf. Für die Theorie hatte ich fleißig „Bögen“ gewälzt, um ein gutes Ergebnis abzuliefern. Das praktische Fahren lag mir zum Glück sehr. Es schien mir in die Wiege gelegt. Ich weiß noch wie ich am Ende der Prüfungsfahrt auf dem Parkplatz einer Bäckerei einparken sollte. Auf meine Frage, ob ich dies vorwärts oder rückwärts tuen solle, überlies der Prüfer mir die Wahl. Mein erster Impuls war, zu zeigen wie gut ich rückwärts einparken kann. Nach kurzem Überlegen stellte ich mir aber vor, wie ich dabei einen groben Fehler machen würde und damit meinen Führerschein riskierte. Also fuhr ich einfach schnurstracks in die Parklücke, die vor mir lag. Manchmal eben einfach >better safe than sorry<!

Nun voll umfänglich befähigt und lizenziert ein Kraftfahrzeug bis zu 3.500 kg Gesamtmasse zu lenken ging es zum nächsten logischen Schritt: Der Fahrzeugbeschaffung!

Dazu aber mehr im nächsten Beitrag!

Fortsetzung folgt…

-Philipp

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