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Der Traum vom Fahren (Teil 3 von ?)

Das erste Auto.

Wie so oft war mir auch hierbei der Beruf unseres Papas wieder eine große Hilfe. Der wusste, dass eine ältere Dame aus dem Nachbarort ihr Auto abgeben wollte. Sie war nicht mehr im Stande selbst zu fahren. Zu meinem Glück wollte sie dafür nichts haben, und war froh es in guten Händen zu wissen. Dass ich beim rückwärts Ausparken aus Ihrer Einfahrt direkt an der Treppe hängen blieb, war allerdings zugegebenerweise nicht optimal… Zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, dass das Auto (vor allem die Scheiben) bereits sehr vermoost war und so die Sicht sehr einschränkte. An der Treppe, wie auch am Auto entstand außerdem nicht wirklich ein Schaden.

Zuerst war ich nicht sehr zufrieden mit dem Auto. Es war alt, dreckig und nicht wirklich eine Augenweide. Aber, es war umsonst! Also packte ich Wassereimer und Schwamm und machte mich daran, das alte Gefährt zu putzen. Immer mehr kam der alte Glanz der FIAT Regata zum Vorschein.

Die Farbwahl in grau-grün war, um es vorsichtig auszudrücken, nicht mehr ganz zeitgemäß. Meine Euphorie, vom vernachlässigten Zustand und der Schlichtheit des Autos selbst, war indes nur kurz getrübt. Sobald die Scheiben frei und das Auto halbwegs ansehnlich war sollte es in die Stadt gehen. Ich weiß nicht mehr, was wir vor hatten, aber ich lud zwei oder drei Freunde ein und fuhr los.

Die Fahrt in den nächsten Ort verlief noch reibungslos. Beim Beschleunigen aus diesem heraus jedoch verabschiedete sich die Kupplung und ich durfte erste Erfahrungen im Abgeschleppt-werden sammeln.
Eigentlich wollte ich die Woche darauf, stolz mit dem eigenen Auto in der Berufsschule vorfahren. Stattdessen chauffierte mich wieder einmal die Deutsche Bahn. Doch während meines Berufsschul-Blocks rief die Werkstatt an, dass ich mein Auto abholen könne. Direkt nach der Schule fuhr mich ein Klassenkamerad, um mein Auto abholen zu können. Dann ging es zusammen zurück zum Wohnheim.

Am nächsten Morgen verließ ich mit stolz geschwellter Brust das Internat, um die 75 PS Bestie zu wecken. Die befand sich aber scheinbar noch im Tiefschlaf. Also, mit den Kollegen in die Berufsschule und im Anschluss den ADAC gerufen, bei dem ich in weiser Voraussicht Mitglied wurde, sobald ich ein eigenes Auto hatte. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam mein gelber Engel und schnell war diagnostiziert: Der Anlasser ist kaputt. Ein kurzer Schlag mit dem Radkreuz und schon lief der Bock!

Bis ich die Zeit fand, den Anlasser auszubauen und überholen zu lassen war am Berg parken angesagt!

Je mehr Zeit wir miteinander verbrachten, desto mehr wuchs mir meine rüstige Italienerin ans Herz. Als klassische 80er Jahre Limousine überzeugte sie sehr mit Fahrgastkomfort. Man saß, wie auf einem gemütlichen, alten Sofa, in das man schier versinken konnte. Die Beinfreiheit auf der Rückbank war überaus angenehm und eine herunterklappbare Mittelarmlehne hinten rundete den Komfort ab. Für die damalige Zeit außerdem sehr fortschrittlich waren eine Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber vorn. Auf Fahr-Assistenzsysteme wie ABS oder Servolenkung musste man allerdings verzichten. Das war vor allem beim Einparken, in enge Parklücken in der Stadt, eine schweißtreibende Angelegenheit.

Alles in allem bin ich aber froh, auf einem so spartanisch ausgestatteten Auto meine ersten Fahr-Erfahrungen gemacht zu haben. Meiner Meinung nach verliert man in Autos, welche über alle möglichen Assistenz-Systeme verfügen, immer mehr das Gespür für die Straße und das Fahrverhalten des eigenen Autos. 120 km/h fühlen sich in modernen Autos an wie 60 km/h in „meinen“ Autos und die Grenzen der Fahrphysik erfährt man erst wenn es zu spät ist, da man sich selbst überschätzt und nicht merklich herantasten kann.

Natürlich stehen dem gegenüber viele Komfortausstattungen, welche das Autofahren deutlich angenehmer im Gegensatz zu Früher machen. Schlussendlich muss jeder selbst entscheiden, was einem persönlich wichtiger ist. Eine Daseinsberechtigung haben, vielleicht außgenommen des Fiat Multipla, fast alle Autos…

In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal!

Fortsetzung folgt…

-Philipp

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