Die Anfänge der Geschwister Querbeet
Januar 1993: René und ich wissen, dass sich etwas ändern wird. Etwas Großes steht bevor! Wir bekommen ein Geschwisterchen. So richtig verstehen kann ich es zu diesem Zeitpunkt wohl nicht, aber ich freue mich und bin aufgeregt!
Oma ist bei uns um Mama und Papa zu unterstützten und wir halten alle ordentlich auf Trab – René und ich sind schließlich zusammen knackige 10 Jahre alt und haben so viel Power und Spaß, dass die Erziehungsberechtigten immer beschäftigt sind.
Dann ist es soweit – wie so oft im späteren Leben hat es Philipp eiliger als wir…
Innerhalb von 40 Minuten schießt er regelrecht auf diese Erde und zwingt Papa dazu rote Ampeln zu überfahren. Erst bricht dieser die Verkehrsregeln und anschließend in Schweiß aus, beim Versuch noch rechtzeitig die Geburt seines zweiten Sohnes mitzuerleben.
ABER Parkplatzsuche und Fußweg dauern dem kleinen Kopp einfach zu lange und so ploppt er ebenso schnell auf diese Welt wie er heutzutage locker geschmeidig mit einer Hand den Plopp Verschluss seiner Bierflasche betätigt.
Als Mama und Philipp nach ein paar Tagen nach Hause kommen bin ich aufgeregt. Es wird eine Art Hochbett in das Esszimmer gestellt, an die Wand an der sich die große Pendeluhr befindet der René Jahre später mit seinem fliegenden Schuh das Ticken ausmerzen wird.
Es befindet sich etwas Kleines in diesem Hochbett, etwas Kleines das verdammt laut sein kann! Als ich mich neugierig strecke um etwas zu sehen, halte ich mich daran fest und steige auf die Querstreben. Etwa zeitgleich fängt auch das gesamte Hochbett an zu kippen und ich unterlasse dieses Unterfangen auf Grund der zahlreichen Schreckensrufe meiner Eltern und deren bedrohlicher Gesten…
Selbstverständlich kann ich dann doch einen Blick auf meinen kleinen Bruder werfen – ich habe ihn mir so nicht vorgestellt! Er sieht noch so… verknittert aus und irgendwie sehr klein! Ich wollte doch jemanden mit dem ich spielen kann…
Uns wurde auch nicht gesagt was es wird! Ja was soll es den werden? Hätte ich gewusst, dass es dabei nur um Mädchen oder Junge ging, hätte ich mir einige Wünsche und Erwartungen wie beispielsweise ein neues Fahrrad sparen können…
Aber trotzdem habe ich ein warmes Gefühl in der Brust als er mich mit großen Augen ansieht, er sieht auch irgendwie ganz süß aus mit seinen winzigen Fingerchen.
In diesem Augenblick wird mir klar, dass ich auf ihn aufpassen werde. Er wirkt zerbrechlich, aber ich denke Spielen kann man ja trotzdem mit ihm…
Dies ist eine meiner ersten Erinnerungen und ich habe ehrlich keine Ahnung ob tatsächlich alles so passiert ist wie es mir im Gedächtnis hängen blieb. Fakt ist, dass der kleine Philipp, der René und mich längst von der Körpergröße eingeholt hat der beste kleine Bruder ist, den man sich nur vorstellen kann!




Ein Kommentar
Marcel
„Er wirkt zerbrechlich, aber ich denke Spielen kann man ja trotzdem mit ihm…“ ist ein so so schöner Satz und liest sich so, als könnte Silke sich wirklich noch im Detail an den Moment und das Gefühl erinnern.