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Silke

Früher hätte ich meine kleine Schwester als liebenswerten Tollpatsch beschrieben. Ständig hatte sie Schrammen und blaue Flecken, die ihren Körper zierten. Das ist der Preis, wenn man Bäume erklimmt, an Bächen spielt und sich mit seinen Brüdern streitet. Doch dann fallen mir auch Situationen ein, die mir immer noch den Kopf schütteln lassen und mir ein Grinsen aufs Gesicht zaubern.

Wir spielten in dem geparkten Auto unserer Eltern. Als Kind macht es Spaß so zu tun, als würde man Auto fahren. Das Lenkrad, die Gangschaltung, die verschiedenen Anzeigen und Knöpfe, alles sehr faszinierend. Silke fiel ein Knopf auf, der einen Schornstein zeigte. Neugierig wie Kinder eben sind, drückte sie ihn und es passierte… nichts. Der Knopf blieb eingedrückt und bald war er nicht mehr interessant. Wir spielten weiter, bis dieser Knopf wieder in seine ursprüngliche Position schnellte.

Jetzt wurde ich auch neugierig, doch Silke war schneller und zog an dem Knopf. Wir wussten nicht, was ein Zigarettenanzünder war, doch sie hielt einen Glühenden in der Hand. Natürlich langt da jedes Kind hin, doch nicht meine Schwester, nein. Sie hielt sich das glühende Ende des Zigarettenanzünders direkt an ihre Schläfe. Was sie laut aufschreien ließ, verschaffte mir, nach einem kurzen Schock, einen Lachanfall. Geschwister können so schadenfroh sein.

Natürlich hat sie ihre Neugier in all den Jahren nicht abgelegt. Sie hat knapp 2 Jahre mit nem Bulli Europa entdeckt, ist gelernte Köchin, Konditorin, Holzbildhauerin, hat ein Abitur und probiert immer wieder Neues aus. Studiert hat sie nicht, sie wollte wahrscheinlich nur ihren Brüdern zeigen, wie viel cleverer sie ist 😉

– René