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Was läuft falsch in der deutschen Rollenspielszene?

In den letzten Jahren gewinnen Pen-and-Paper-Rollenspiele in Deutschland immer mehr an Beliebtheit. The Big Bang Theory, Stranger Things und diverse Streamer auf Plattformen wie Twitch und Youtube tragen maßgeblich dazu bei. Noch dazu konnten auch die meisten Verlage von der Corona Pandemie profitieren. Tröstlich zu wissen, dass auch positive Dinge daraus entstehen können.

 

Doch trotz dieser Entwicklungen scheint die deutsche PnP-Szene diesen Trend über sich ergehen zu lassen, anstatt ihn richtig zu nutzen. Ich werfe einen kritischen Blick auf einige zentrale Probleme.

 

Achtung! Das hier ist ein Rant, der in alle Richtungen der Rollenspielszene austeilt. Natürlich ist das lediglich meine Sicht der Dinge und vielleicht habe ich nicht die ein oder andere Information, die mich eine andere Position einnehmen lässt. Wenn das der Fall ist, erleuchtet mich.

 

Über die Jahre ist mir einiges aufgefallen, das mich den Kopf schütteln lässt und erklärt warum die deutsche Rollenspielszene dort steht wo sie gerade steht. Wer zart besaitet ist und auf Kritik allergisch reagiert, der darf hier gerne aufhören zu lesen.

 

Die Unprofessionalität in der Szene

 

Wie oft checkst du deine Emails? Täglich? Jeden zweiten Tag? Aber doch mindestens einmal in der Woche. Ich habe erlebt, dass auf wichtige E-Mails wochenlang nicht geantwortet wird. Ich selbst habe Rollenspiel Conventions mitorganisiert und war für die Aussteller zuständig. Dadurch habe ich viel mit Gewerbetreibenden kommuniziert. Dabei gestaltete es sich schwierig, wenn ich auf organisatorische Fragen keine, unvollständige oder verspätete Antworten erhalten habe.

 

Vielleicht hat sich das ja gebessert und in den letzten Jahren ist dieses unprofessionelle Verhalten besser geworden. Dann lass uns doch mal zwei große Verlage der Szene betrachten. Der eine bekommt seit Jahren (oder sogar Jahrzehnten) sein Korrektorat nicht auf die Reihe. Den Vogel hat er abgeschossen, als auf dem Einband eines Regelwerks der Titel falsch geschrieben wurde.

 

Dann wird dem Backer des Buchs in einem Video erklärt, dass der Fehler mit einem Nachdruck nicht ausgebessert wird und er ja einen Korrektur-Sticker drauf machen kann. Auf den Einband! Der gleiche Verlag hat letzt ein Zauberbuch herausgebracht, das alle Zauber der Version beinhalten sollte. Eigentlich meinte man, dass das Buch nur neu aufgelegt werden sollte. Denn dort fehlten sämtliche Zauber, die auch in der 1. Version gefehlt haben. Ob Fehlkommunikation oder Absicht lässt sich nur vermuten, allerdings wurde aufgrund des Feedbacks der Fans die Version nochmal mit allen Zaubersprüchen gedruckt.

 

Doch dieser Verlag ist nicht der Einzige, der eine Unprofessionalität an den Tag legt. Ein anderer großer Verlag versäumt es, aus seiner Firma eine GmbH zu machen. Nach einigen unternehmerischen Fehlentscheidungen muss man dann Insolvenz anmelden und haftet mit dem gesamten Privatvermögen. Ich kann verstehen, dass man anfangs nicht das Geld für eine GmbH hat. Allerdings habe ich mir sagen lassen, man könne eine UG gründen, bis man das Geld zusammen hat.

 

Dann kommen mir Händler zu Ohren, die eine immens lange Lieferzeit bei ihren Waren haben. Wir reden da von Monaten, teilweise Jahren. Wenn der Kunde dann nachfragt, wird er vertröstet, ignoriert oder ihm wird mit rechtlichen Schritten gedroht. Falls es dann negative Bewertungen auf Google hagelt, werden diese einfach gelöscht. Was ist denn da los?

 

Der Markt für Rollenspiel ist in Deutschland zu klein

 

Hast du diesen Satz schon einmal gehört? Sicherlich, er wird ja auch wie ein Mantra wiederholt. Man jammert lieber, als sich neue Zielgruppen zu erschließen.

 

Beispiele, die das anders machen: Rocket Beans, Gronkh, Donnerhaus und Mannifest Games. Influencer Marketing funktioniert und man kann sogar Spaß dabei haben.

 

Doch welche Möglichkeiten haben wir denn noch, um weitere Zielgruppen zu erschließen? Was haben Shadowrun, Vampire the Masquerade, the Witcher, Cyberpunk Red und D&D gemeinsam? Genau, in letzter Zeit sind Videospiele für diese Marken rausgekommen (Ausnahme Shadowrun, ist aber Cyberpunk recht ähnlich). Warum sehe ich da keine bezahlten Social Media Ads?

 

Ein Appell an alle Verlage, die eine solche Marke in den Händen halten. Schnappt euch einen Mitarbeiter, stopft ihn in eine Weiterbildung, gebt ihm ein bisschen Taschengeld und dann soll er Werbung schalten.

 

Wenn man weiß, was man tut, kann man recht günstig mittels KI schon sehr günstig richtig geile Werbung schalten. Doch da sind wir gleich beim nächsten Thema.

 

Die geballte Inkompetenz im KI Bereich

 

Ein lauter Aufschrei geht seit circa einem Jahr durch die Rollenspielszene und wieder mal sind die Lautesten, die, die am wenigsten wissen. Es bringt nichts, hier eine erneute Abhandlung zu schreiben und zu erklären, warum Bild KIs nicht die Werke von Künstlern stehlen. Wer es wirklich möchte, hat sich bereits damit beschäftigt.

 

Jemand, der Prompts in eine Bild-KI eintippt und sich als Künstler bezeichnet, ist wie ein McDonalds Mitarbeiter am Grill, der sich als Koch bezeichnet. So oder so ähnlich wurde diese Aussage öffentlichkeitswirksam in den Äther geplärrt. Zuvor hat dieselbe Person zugegeben, dass sie sich vergleichsweise wenig mit KI auskennt.

 

Warum solche Aussagen? Ich kann nur vermuten, was der Zweck war. Vielleicht schlägt man sich auf Seiten der Künstler, um von ihnen zu profitieren, solange man sich noch nicht genug mit Bild-KI auskennt.

 

Auch ich bin als Werbetexter persönlich von KI betroffen, doch ich jammere nicht, dass KI mir Arbeit klaut und sich von meiner “Kunst” bedient. Ich passe mich an und nutze ChatGPT, um noch schneller gute Qualität meinen Kunden zu liefern. Mach das als Illustrator auch. Nutze eine Bild-KI für den groben Entwurf und mach dein Kunstwerk daraus. Klar, es braucht einiges an Übung und Zeit, aber es wird dir sehr viel mehr Zeit einsparen.

 

Und komm mir jetzt nicht mit “ich bin aber Künstler…”. Du machst Auftragsarbeiten genauso wie ich und wirst bei der Bezahlung so gut es geht über den Tisch gezogen. Stimmt, das liebe Geld wird der nächste Punkt.

 

Warum Geld Mangelware ist

 

Das Verlage ihre Mitwirkenden schlecht bezahlen ist jedem bekannt. Woran liegt’s? Im Grunde an der Preisgestaltung bzw. am Kunden.

 

Wenn ich höre “70€ für ein Buch ist schon unverhältnismäßig“, wedelt mein Arzt schon wieder mit dem Rezept für den Blutdrucksenker. Klar, für ein Buch ist das schon viel. Man liest ja nur eine Geschichte und dann ist es vorbei. Das ist aber kein Buch mit EINER Geschichte, sondern mit unendlich vielen.

 

Ein Regelwerk ist die Physik der Geschichten, die du erleben wirst. Da kommt kein Triple A Titel für 80€ hinterher oder ein World of Warcraft mit Abo Modell. Ich spiele seit 7 Jahren fast wöchentlich Shadowrun. Das sind etwas weniger als 1.000 Stunden Spiel und das ist noch lange nicht das Ende. Das schafft kein Buch.

 

Dann haben wir noch Leute, die richtig geile Spielleiter sind und sich damit selbstständig machen wollen. Natürlich brauchen sie Geld zum Leben. Dann kommt der Nächste an und meint “Rollenspiel soll ein Hobby bleiben und das ist Scheiße, dass der Geld verlangt.” und dann wundert sich die gleiche Person, warum keine neuen Leute ins Pen & Paper finden.

 

Apropos Menschen fürs Rollenspiel gewinnen. Der Gratis Rollenspiel Tag ist eine nette Idee. Noch geiler und einsteigerfreundlicher wird es, wenn neben den Printprodukten auch digitale Produkte dabei sind. Das ist auch sehr viel günstiger für Kleinstverleger mitzumachen. Oder ist der GRT nur etwas für etablierte Verlage?

 

Alles in allem steht sich die deutsche Rollenspielszene selbst im Weg und wird, sobald der Hype abnimmt, wieder in den Untiefen der Spielebranche versinken. Es sei denn, packt das Ganze mal gescheit an.

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